So

12

Dez

2010

Fischige Weihnachtsgeschenke

L 260

Nun ist es wieder soweit. Die schönste Zeit des Jahres hat begonnen. Ein jeder freut sich auf das Fest der Liebe... und natürlich auf die Geschenke.

 

Manche Leute schenken sich ja gar nichts, was aber nicht so spannend ist. Gerade für uns Aquarianer gibt es eine Menge Auswahl an schönen, praktischen, vielleicht auch wertvollen Geschenken. Natürlich existieren auch völlig nutzlose, kitschige oder hässliche Artikel, die keinem Fischfreund ein Lächeln abzwingen. In der 4-köpfigen Familie meines Vereinsfreundes Walter K., in der alle Fisch- und Welsliebhaber sind, gab es am letzten Weihnachtsfest einige Unstimmigkeiten.

 

Ancistrus-Wels
Gutschein über Ancistrus: „Du hast ja immer Ideen..."

Die Ehefrau Gisela erhielt von Walter einen Einkaufsgutschein über Ancistrus-Welse. Das DIN-A4-Blatt war selbst am PC unter Powerpoint entworfen worden. Wenn Sie, wie ich, Werners bescheidene Kreativität kennen würden, könnten Sie mir bestätigen, wie schlicht und geschmacklos das Blatt aussah. Die Krönung des Ganzen war noch, dass diese Fische bei seinem Zuchtfreund Herbert gekauft werden sollten. Kommentar der Dame beim Auspacken: „Du hast ja immer Ideen...“


Welse
Gutschein vom Catfish-Corner: „Ah, ja..."

Gisela hingegen hatte einen besseren Geschmack.

 

Sie kaufte für Herbert im „Catfish-Corner“, einem seriösen Fachgeschäft, einen Gutschein über Schwielenwelse. Dieser edle Schein war aus mittelbeigem, gutem Büttenpapier. Kommentar beim Auspacken: „Ah, ja...“


Batrochoglanis raninus
Froschfettwelse für Jonas: „Ist ja echt fett cool..."

Für den 14–jährigen Sohn Jonas, der seinerzeit auf Raubfische „stand“, hatte der eifrige Familienvater bereits Anfang Dezember zwei Froschfettwelse, Batrochoglanis raninus, aus einem Baumarkt mit Aquaristikabteilung zum Schnäppchenpreis erstanden. Die Tür zum Zuchtkeller war seitdem fest verschlossen. Die Fische sollten natürlich erst an Heiligabend überreicht werden. Diese besonderen Tiere mussten allerdings schon zweimal umgesetzt werden, da sie ihrem Namen als Raubfische alle Ehre machten und die Bestände der Nachzuchten etwas dezimierten. Kommentar beim Auspacken: „Ist ja echt fett cool! Bewegen die sich auch mal?“


L 260
Der mimifizierte L 260: „D... D... Danke..."

Junior Jonas, der etwas kreativer als sein Erzeuger ist, hatte zu dem Fest eine besonders „tolle“ Geschenkidee für seinen Vater. Nachdem bereits im Sommer ein nicht billiger Harnischwels (L 260) das Zeitliche segnete, entschloss sich der Filius, dem Familienoberhaupt damit später eine schöne Weihnachtsfreude zu machen. Der verstorbene Wels wurde wieder der Mülltonne entnommen und luftgetrocknet. Der mumifizierte Fisch hielt sich tatsächlich bis zur Bescherung und gab kaum Gerüche von sich. Platziert auf einem Goldteller, von Tannenzweigen umrahmt, übergab Jonas stolz das Geschenk. Herberts Kommentar beim Auspacken: „D... D... Danke!“

Lauras Interessen an Corydoras habrosus hatten sich auf andere Dinge verlagert...
Lauras Interessen an Corydoras habrosus hatten sich auf andere Dinge verlagert...

Die 16–jährige Tochter Laura, welche sich seit einiger Zeit nicht mehr so für das 50- Liter Aquarienset mit Corydoras habrosus-Besetzung in ihrem Jugendzimmer begeisterte, bekam keine Fische mehr. Altersgemäß und hormonell bedingt lagen ihre Interessen nun auf anderen Gebieten. Die Eltern schenkten ihr ein weit geschnittenes Sweatshirt einer Jeans-Filialkette, deren Markenzeichen ein Fischskelett ist und auf der Vorderseite des Bekleidungsstückes prangte. Leider wussten Papa und Mama nicht, das körpernahe Stretchshirts jetzt in sind. Und Tiermotive trägt auch niemand mehr. Ihr Kommentar beim Auspacken: „Habt ihr den Bon noch, damit ich es umtauschen kann?“

 

Schlüsselanhänger
Ein Schlüsselanhänger, der gefiel: „Spitzenmäßig!!! Klasse!!!"

Einen Tag nach Weihnachten kam noch ein Päckchen mit der Post für Laura. Ihre etwas merkwürdige Patentante Ursel hatte natürlich mal wieder zu spät die Ware zum Versand gegeben. Die ledige Tante Ursel hatte überhaupt keine Ahnung von Jugendlichen, geschweige denn von Aquarianern. Nach wochenlangem Suchen hatte sie endlich einen kitschigen, scheußlichen Schlüsselanhänger aus Draht für ihr Patenkind gekauft. Allerdings hatte sie selbst Zweifel an ihrem Geschmack. Jedoch, Lauras Kommentar beim Auspacken lautete: „Spitzenmäßig! Klasse! Genau das habe ich mir immer gewünscht.“

 

Man sieht mal wieder: Die Geschmäcker sind verschieden... Auch bei fischigen Weihnachtsgeschenken...

 

Reinhold Wawrzynski