Sa

18

Dez

2010

Amazonas-Reisebericht: Die Neonfischer vom Rio Negro

Fischer am Rio Negro

Zusammen mit meiner Lebenspartnerin Eva Blüthl reise ich regelmäßig von Juli bis August in das Amazonasgebiet. Dieses Jahr führte uns die Tour an den Rio Negro, den mit einer Länge von rund 2.200 Kilometern zweitgrößten Nebenfluss des Amazonas.

 

Leider führt der Rio Negro zu dieser Zeit immer Hochwasser - für die Suche nach Aquarienfischen ist das eigentlich keine gute Reisezeit. Anders ist es für uns aber nicht machbar, da Eva als Lehrerin nur in den Sommerferien Urlaub hat.

 

Ohne viele Vorinformationen flogen wir für zwei Wochen nach Barcelos, eine brasilianische Stadt mit rund 25.000 Einwohnern, die am rechten Ufer des Rio Negro liegt. Dort wohnten wir im Hotel „Rio Negro“.

Franz Kern

Alles wurde vor Ort organisiert. Dabei war uns der Junior–Chef unseres Hotels sehr behilflich, er sorgte auch für einen ortskundigen Führer und das Boot. So kamen wir zu Pineiro, einem Fischer, der sich mit dem Fang von Neonsalmlern bestens auskennt und uns auf dieser Tour führte; als Köchin begleitete uns seine Frau Rosimar.

 

Pineiro gab uns den Rat, in sein Heimatdorf nach Daracuá zu fahren, dort hat man auch bei Hochwasser die Chance, Neons und andere Aquarienfische (mit Ausnahme von Diskus) zu finden. Nach kurzer Planung und dem Einkauf von Nahrungsmitteln ging unser Abenteuer los – und damit laden wir Sie ein, die Serie der folgenden 111 Fotos unseres neuerlichen Reiseberichts zu starten, die durchweg mit einer erläuternden Bildunterschrift versehen sind.

Im Folgenden habe ich für Sie noch einige Videosequenzen zusammengestellt, die das obige Bildmaterial eindrucksvoll ergänzen.

  • Fang von Roten Neons (Paracheirodon axelrodi)

 

Bei Niederwasser in der Hochsaison der Fangzeit gehen allein in der direkt am Ufer des Rio Negro gelegenen Stadt Barcelos 200 Fischer auf Zierfischfang. Jeden Monat verlassen drei Millionen Zierfische Barcelos, darunter zu 80 Prozent Rote Neons (Paracheirodon axelrodi). Brasilianische Naturschützer setzen sich dafür ein, dass der Zierfischfang am Rio Negro gut organisiert wird und dass die Fischer einen gerechten Lohn bekommen. Ein Fischer erhält beispielsweise für 1.000 Neon 16 Euro, davon kann man – für brasilianische Verhältnisse – sich und seine Familie gut versorgen. Alle Amazonasbewohner, die durch den Fischfang ihr Brot verdienen, müssen schon keine Bäume fällen, um zu überleben. Sie schützen ihre Umwelt, damit es noch lange Zierfische gibt, die ihnen ihr Einkommen sichern.

 

Doch nun zur Fangtechnik, die beim Roten Neon (Paracheirodon axelrodi) im Grunde recht einfach ist: Wie im Video zu sehen, hält der Fischer den Kescher ins Wasser und treibt mit dem Paddel unseres Kanus die Fische ins Netz. Und auf dieselbe Art und Weise fange auch ich meine ersten wildlebenden Neonsalmler.

 

 

  • Fang von Beilbauchfischen (Carnegiella strigata)

 

Der Marmorierte Beilbauchfisch (Carnegiella strigata) gehört zu den Salmlern. Charakteristisch für die rund 5 Zentimeter lange Art ist ihre besondere Körperform: Der Rücken ist sehr flach, während der Bauch stark nach unten gewölbt ist. Diese Form eignet sich ideal, um dicht unter der Wasseroberfläche zu schwimmen und dort ins Wasser gefallene Insekten zu fressen. Bei Gefahr kann Carnegiella strigata durch kräftiges Schlagen mit den Brustflossen aus dem Wasser schnellen und einige Meter weit dicht über dem Wasserspiegel mit schwirrenden Flossenschlägen dahin gleiten. Auf diese Weise versuchen die Tiere, ihren Verfolgern zu entkommen. Dieses natürliche Fluchtverhalten nutzen die Fischer am Rio Negro, um sie zu fangen. Bei Hochwasser leben die Beilbauchfische dort in einer überfluteten Landschaft einer schattigen Waldzone. Die Fischer stehen im Wasser, halten ihre Kescher einen Meter vom Ufer entfernt hinein und schöpfen mit einer Plastikschüssel Wasser an den Uferrand. In der Folge springen diedicht unter der Wasseroberfläche schwimmenden Beilbauchfische von selbst ins Netz.

 

Wie im Video zu sehen, habe ich den einheimischen Fischer bei seiner Arbeit unterstützt und selbst Beilbauchfische gefangen.

 

 

  • Wasserpflanzen

 

Im Rahmen unserer Bootsfahrt von Daracuá aus zu einem Biotop, in dem die Fischer Neons in Massen fangen, kamen wir auch zu einem Bach mit sehr klarem Wasser. Dort kann das Sonnenlicht gut eindringen und die Pflanzen wachsen noch in einer Tiefe von zwei Metern.

 

Wir fanden eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Arten von Seerosen (Nymphaea glandulifera) über große Ballen von Wasserpest (Egeria najas), der Riesen–Haarnixe (Cabomba aquatica) bis hin zu sehr großem Pfeilkraut (Sagittaria montevidensis), das aus dem Wasser ragte.

 

Einige dieser Pflanzenarten sehen Sie auch im Video.

Siehe auch meine beiden weiteren Amazonas-Reiseberichte:

 

 

 

© Franz Kern        Linz/Österreich