Eismeergarnelen für größere Raubwelse

Eismeergarnelen (Pandalus borealis)

Die von Reinhold aufgezeigte Möglichkeit, größeren Raubwelsen hin und wieder kanadische Jumbo-Regenwürmer zu verabreichen (siehe Bericht), ist sicherlich eine von vielen guten Möglichkeiten, seine Lieblinge abwechslungsreich zu füttern.

 

Bei Wildfängen ist diese Methode schon deswegen geboten, weil manche Arten zumal in der Phase der Eingewöhnung zappelnde Bewegungen ihrer Beute als Ermunterung beziehungsweise Einladung zum Fressen dringend benötigen. Meinen Pfleglingen verabreiche ich manchmal auch ganze Eismeergarnelen (Pandalus borealis).

Diese stammen aus Grönland, wo sie in der Regel unmittelbar nach dem Fang gekocht und dann eingefroren werden. Meist in 500- oder 1.000-Gramm-Beutel verpackt, werden sie in der Folge im Lebensmittelhandel angeboten, dort teils auch unter der Bezeichnung „Kaltwassergarnelen“ oder „Grönland-Shrimps“.

Mit einer Länge von durchschnittlich etwa fünf bis sieben Zentimetern stellen diese fettarmen, dafür aber eiweißreichen Garnelen ideale Happen für fast alle größeren Raubwelsarten dar. Mitunter gibt es auch noch größere Exemplare, die mit dem Zusatz „Riesen-“, „Tiger-“ oder „King-“ deklariert sind. Solche Garnelen der Größe XXL lassen dann auch bei Welsen jenseits der Halbmeterlänge noch Freude aufkommen.

Dieser Cephalosilurus schnappt sich die gereichte Garnele mit einer solchen Geschwindigkeit, dass die Kamera die Bewegungsabfolge kaum festhalten kann. Darum sehen wir uns diesen Vorgang im folgenden Video an.

Verfüttert werden diese Tiefseegarnelen natürlich in aufgetauter Form. Mag sein, dass die Welse diese Nahrung zunächst nur zögerlich annehmen, vielleicht sogar ganz ablehnen. Diese Verweigerungshaltung ist nicht weniger stark als bei manchen Mitmenschen ausgeprägt, die sich scheuen, auch einmal etwas Neues oder Fremdländisches zu probieren. Bekanntermaßen hilft in solchen Fällen nur Eines: Einige Tage hungern lassen und dann erneut verabreichen! Sind jedenfalls die Welse erst einmal auf den Geschmack gekommen, werden die Garnelen gierig gefressen, und man muss sich als Pfleger nunmehr davor hüten, zu viele auf einmal zu verfüttern.

 

Der auf den folgenden Fotos gezeigte - fast ausgewachsene - Hemibagrus wyckii verschlingt locker fünf bis acht Eismeergarnelen hintereinander, benötigt dann aber auch für mindestens drei Tage keine Nahrung mehr.

Auch in preislicher Hinsicht sind die Garnelen eine feine Sache. Für bereits 8 Euro ist der 1.000 Gramm-Beutel in den Tiefkühlregalen der großen Supermärkte zu haben, im Asia-Shop liegt der Preis in der Regel noch darunter – dort konnte ich die gleiche Menge schon für 5 Euro mitnehmen.

Die tiefgefrorenen Garnelen, die im Aquaristikhandel als Flachtafeln, in Druckverschlussbeuteln oder anderen kleinen Behältnissen üblicherweise angeboten werden, dürften dagegen umgerechnet regelmäßig weitaus teurer sein. Zudem sind diese Garnelen meist nur bis um zwei Zentimeter lang und damit für größere Raubwelse zu klein.

Alles in allem stellt Pandalus borealis eine gute Ergänzung für größere, räuberisch lebende Welse vor allem dann dar, wenn sonst an diese überwiegend Fischfilet verfüttert wird, das die Welse zwar auch gern annehmen, das aber aufgrund seiner einseitigen Zusammensetzung eher gelegentlich als regelmäßig verfüttert werden sollte.

 

Wolfgang Ros